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Hoch oben in den tiefen Wäldern der Karpaten bereiten sich die Menschen im Schradental -
im Valea Scradei in Rumänien - auf Weihnachten vor. Unter meterhohem Schnee und in klirrender Kälte werden
die weit verstreut liegenden Häuser hergerichtet, mit Pferd und Schlitten wird Brennholz aus den Wäldern geholt.
Es ist Zeit, das Schwein zu schlachten, Speck und Würste zuzubereiten, ausgiebig zu backen, zu kochen und
Schnaps zu brennen. Die Jungen des Tals holen ihre zotteligen Kostüme aus der Truhe und proben ihre Teufelskämpfe -
ein Ritual, das sich jedes Jahr in der Heiligen Nacht auf den verschneiten Wegen des Tals wiederholt, eine
fantastische Mischung aus heidnischen Riten, tiefer Religiosität und archaischem Winterleben. Das Schradental
liegt abgeschieden in den nordrumänischen Karpaten, den Maramures, nahe an der Grenze zur Ukraine - eine Gegend
weitab von den urbanen Zentren Siebenbürgens, ohne befestigte Straßen, ohne flächendeckende Wasserversorgung und
andere Errungenschaften der Moderne. Die Menschen hier leben als sich selbst versorgende Bauern, Holzfäller und
Hirten. Es sind Rumänen, Ukrainer und auch noch einige Deutsche - Nachkommen der Zipser, die vor mehr als 230
Jahren hierher kamen. Hier haben sich heidnisch-winterliche Traditionen und Vorstellungen mit den Riten der
verschiedenen christlichen Kirchen auf faszinierende Weise vermischt. Die Reportage schildert ein alljährlich
wiederkehrendes, reales Weihnachtsmärchen.
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