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Die Karpaten sind für viele weiter weg als die Dominikanische Republik.
Das war einst ganz anders, als Siebenbürgen, das Land im Inneren des Karpatenbogens, noch ein Teil Österreich-Ungarns war.
Das Hochgebirge erreicht im Süden Zugspitzhöhe. Mit ihren lichten Wäldern, Almen und hellen Kalkfelsen erinnern die Karpaten an die Kalkalpen.
In den sonnigen Tälern macht sich mediterrane Wärme breit. Bis heute leben in den Bergen westlich des alten Klausenburg viele
Menschen von der Land- und Forstwirtschaft, arbeiten in alter Weise mit Pferd und Esel. In den Wäldern ist auch noch der Bär heimisch.
Süße Beeren, Ameisen und Käfer, Maden und Engerlinge, aber auch Honig, frische Sprossen und saftiges Gras dienen ihm als Nahrung.
Dank Nicolae Ceausescu, dem verhassten Dikatator und passionierten Bärenjäger, gibt es noch annähernd 6.000 Bären in den Karpaten -
die Hälfte der gesamten Braunbärenpopulation Europas. Hunderte von Höhlen durchziehen den Kalkfels im Untergrund. Viele wurden erst
in jüngerer Zeit entdeckt beziehungsweise wiederentdeckt, denn unsere eiszeitlichen Vorfahren kannten sie schon. Eine der schönsten
unter ihnen ist die Piatra Altarului, die Altarhöhle. In den achtziger Jahren wurde sie entdeckt. Getreu dem alten Motto der
Höhlengänger - "Je enger der Eingang, umso größer die Höhle" - ließen die Entdecker nichts unversucht, sich durch den
engen Korkenziehergang zu zwängen. Silviu Patras war es vergönnt, als Erster in die gewaltigen Tropfsteinsäale vorzudringen.
Zusammen mit Höhlenforschern aus ganz Rumänien erforschte er in den folgenden Jahren das über acht Kilometer lange System, zu
dem die 3.046 Meter lange Altarhöhle, die Piatra Altarului, gehört. Riesige Tropfsteinsäulen schimmern im Licht der Scheinwerfer.
Kalzitkristalle reflektieren mit ihren spiegelgleichen Flächen das Licht tausendfach. Glasklare, türkisfarben schimmernde Höhlenteiche,
von Kristallrosen gesäumt, und darüber wahre Tropfsteinbaldachine. Verwegene Kletterwege führen durch die drei Etagen des Systems über
Tropfsteinflächen auf- und abwärts, durch enge Schlupfe und senkrechte Wände. Geklettert wird mit weichen, weißen Schuhen und sauberer
Kleidung, um keine Spuren zu hinterlassen. Denn auch Forschung ist nur erlaubt, soweit die Höhle nicht darunter leidet. Die Höhle ist
streng geschützt. Eine eiserne Tür sperrt den Eingang. Nur ausgewiesene Höhlenforscher haben eine Chance auf Zutritt. Eine Sensation
birgt die "Kalte Höhle", die zum System der Piatra Altarului gehörte. Hier entdeckten die Höhlenforscher einen Bärenfriedhof.
Bis 1987 hat seit den Menschen der Vorzeit niemand mehr dieses Mausoleum betreten. Der alte Eingang, der einst von oben in die Höhle
führte, ist verschüttet. Nur über eine Tauchstrecke gelangt man heute in die Knochenhalle. Dort liegen sie dicht beieinander, Schädel
und Gliedmaßen von tausenden von Tieren, die hier ihren Winterschlaf verbrachten und womöglich hier verendeten. Typische Verletzungen
der Knochen weisen aber daraufhin, dass wohl unsere Vorfahren hierher kamen, um die Bären im Schlaf zu erlegen. Kreuzförmig angeordnete
Knochen und Schädel lassen vermuten, dass die vorzeitlichen Jäger anschließend an Ort und Stelle dem "Gott der Bären" huldigten,
um ihn zu versöhnen. Ernst Waldemar Bauer, selbst ein erfahrener Höhlengänger, führt durch die Sendung.
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