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 Re: Hilfe für rumänische Straßenhunde in Iasi
Autor: Goldsarmal 
Datum: 06.09.09 20:15

Hallo Elke,

vermutl. themaverfehlend,
darf ich Dich zu einer Sache fragen, zu der ich bislang vergeblich Informationen gesucht habe,
ob Du da vielleicht näheres weißt?

Rumänien hatte ja vor gar nicht langer Zeit im Zuge an die Angleichung an EU-Standards seine eigenen nationalen Tierschutzgesetze novelliert.

(Die betreffenden EU-Verträge zum Tierschutz, weil ein anderer die EU hier ins Spiel gebracht hatte, die Rumänien unterzeichnet hatte, hatten ja keine bindendene Wirkung, sondern sind Absichtserklärungen, da die EU die Tierschutzgesetzgebung ja leider immer noch den nationalen Gesetzgebern überläßt).

In diesen rumänischen Gesetzen wird jetzt immerhin die Mißhandlung von Tieren unter Strafe gestellt, mit entsprechenden Geldbußen.
Diese Gesetze sind bereits schon auf Privatpersonen anwendbar. Also wenn Du in Rumänien, was Dir sehr häufig begegnen wird, siehst, daß Passanten mit Steinen nach Straßenhunden werfen, die in der Gegend herumliegen, auf sie losgehen oder die Hunde, wenn sie sich in Höfe oder Treppenhäuser der Wohnblocks verirrt haben, mit Knüppeln prügeln oder erschlagen, dann kannst Du Anzeige erstatten.

Ausdrücklich ausgenommen von diesen Gesetzen wurde die Behandlung der Straßenhunde durch die Verwaltung. Dieser Komplex sollte in einem eigenen Gesetz geregelt werden.

Ich kann dieses Gesetz nirgends finden, noch weiß ich, ob es inzwischen erlassen worden ist.
Weißt Du da Näheres?

Ich höre dazu immer nur Gerüchte. Etwa, daß das dieses Gesetz dann vorschreibe, die eingfangenen Hunde 2 Wochen an den Sammelstellen aufzubewahren und zu ernähren, bis sie dann euthanasiert werden, was nur durch einen ausgebildeten Tierarzt geschehen darf.

Das Thema Straßenhunde ist in Rumänien ein sehr emotionsgeladenes.
Ein kleiner Teil der Bevölkerung hat eine regelrechte Hundephobie, im medizinischen Sinne,
auch gibt es Eltern, die um die Sicherheit von Kindern bangen. Verläßliche Zahlen zu Unfällen gibt es nicht, da keine Statistiken erhoben werden, die Zahlen die kursieren also in keiner Weise belastbar sind und eher zur politischen Instrumentalisierung verwendet werden.
Diese Sorgen und Ängste, wie begründet oder unbegründet sie sind, müssen ernst genommen werden.

Ein weitaus größerer Anteil an der Bevölkerung als diejenigen mit Phobien indes hat in dieser Frage einfach noch nicht den zivilisatorischen Entwicklungstand erreicht, wie er in Europa, Nordamerika, Indien und Nordafrika gewöhnlich ist, dessen solltest Du Dir bewußt sein.

Ich möchte Dich nämlich ein bisschen vorbereiten und vorwarnen, denn ich finde Dein Engagement großartig und bewundernswert und möchte nicht, daß Du Schaden an Deiner Seele nimmst, wenn Du Dich in Rumänien für die Straßenhunde dort tiefergehend engagierst. Denn dort wirst Du eine Brutalität und Grausamkeit gegenüber den Tieren finden, wie sie Dir nicht in Ungarn, noch in Deinem bisherigen Leben untergekommen sein wird und wie sie jedem halbwegs erzogenen, kultivierten und gesundem Menschen völlig fremd und neu ist.
An der Gleichgültigkeit und der Irrationalität dort kannst Du leicht verzweifeln, gottseidank sind nich alle dort so, Du wirst auch hin und wieder Unterstützung erfahren, aber oft wird man Dir Steine in den Weg legen.

Als Bsp nenne ich Dir, was in der Stadt passiert, in der ich seit Jahren häufig vorort bin.
Dort gibt es wie in jeder Stadt in Rumänien ein Straßenhundeproblem. Über den Hass auf die Tiere der örtlichen Bevölkerung mag ich nichts berichten,
nur soviel, daß es zu manchen Teilen ein Generationenproblem ist. Unter Älteren Bewohnern ist dieser krankhafte Haß deutlich verbreiteter als unter den Jüngeren. Wie in allen Städten hast Du auch Leute, die die Hunde ihres Blockes versorgen.

Wie geht nun die Stadtverwaltung mit diesem Problem um.
Sie unterhält Hundefänger. Meist vormals Arbeitslose. Jeden Wochentag siehst Du in den Straßen das gleiche Bild.
Die Hundefänger jagen Hunde und fangen sie mit Drahtschlingen an langen Stöcken. Dies Drahtschlingen schneiden tief in den Hals der Tiere ein und führen oft zu schwerwiegenden Verletzungen, gelegentlich zum Tod durch Verbluten, wenn die Halsschlagader beschädigt wird.
Oft, wenn es sich um größere Hunde handelt, treten und prügeln die Fänger auf das Tier ein, um es bewegungsunfähig zu machen, damit es ihnen nicht gefährlich werden kann. Dieses Gemetzel und oft blutige Schauspiel findet am helllichten Tag auf der Straße statt, unter der Teilnahmslosigkeit, manchmal auch unter dem Beifall der Passanten. Kinder sehen auch zu, entwickeln zwangsläufig eine dementsprechende Einstellung, da sie lernen, daß solcherlei Brutalität nicht sanktioniert wird.
Häufig werden auch Hündinnen eingefangen und ihre Welpen an Ort und Stelle sich selbst überlassen, sodaß sie, wenn sich keiner ihrer annimmt, in der Regel nach Wochen verenden.
Mehrfach wurde bei der Stadtverwaltung Beschwerde eingelegt, wenigstens den Draht an den Schlingen durch ein geeigneteres Material zu ersetzen, was stets aus Kostengründen abgelehnt wurde. Selbst Spenden für besseres Gerät wurden abgelehnt.

Die Hunde werden dann auf ein Areal verfrachtet und zusammengepfercht. In früheren Zeiten oder bei Überfüllung, was man eigentlich fast als Akt der Barmherzigkeit ansehen kann, wurden die Tiere dann wenigstens noch erschossen.
Das hat man dann bald sein lassen.
Seitdem wurden die Tiere in diesem Areal einfach sich selbst überlassen, ohne Nahrung, ohne ausreichend Wasser, ohne Unterstandsmöglichkeiten,
also auch ohne Schatten in den überaus heißen Sommern auf asphaltierter Fläche,
bis sie eben an Auszehrung und Krankheiten elendiglich verreckt sind.

Dieser Übelstand wurde von der Stadtverwaltung forciert.
Zusätzlich lässt die Stadtverwaltung weiträumig Giftköder auslegen in der Regel präparierte Fleischstücke. Altmodisches Rattengift, Strychninderivate ect. die zu einem besonders langsamen und qualvollen Verenden der Tiere führen. Diese Giftköder sind nicht gekennzeichnet, noch wird darauf hingewiesen, daß sie ausgebracht wurden. Sie werden an öffentlichen Plätzen unter anderem an Spielplätzen und in Parks ausgelegt,
die von der Bevölkerung zur Erholung genutzt werden und wo Kleinkinder spielen.
Diese Gefährdung der Wohnbevölkerung scheint auch in Rumänien illegal zu sein, da die Köder stets nachts und heimlich ausgebracht werden.
Einmal wurde ein Angestellter der Verwaltung dabei gefasst, die Polizei von empörten Anwohnern gerufen. Woraufhin sich der Bürgermeister auf dem Revier eingefunden, die Zeugen eingeschüchtert und die Polizisten, die den Vorgang aufgenommen hatten, mit Sanktionen bedrohten, sodaß es zu keiner Anzeige kam.

Diese Methoden sind völlig ungeeignet, die Zahl der Straßenhunde zu reduzieren, da deren Reproduktionraten viel zu hoch sind.
Es ist ja kein Geheimnis, daß nach Studien der WHO, die effektivste Methode die Population von Straßenhunden zu verringern,
die Sterilisation und das Wiederaussetzen der Hunde ist, da diese Hunde dann ihr Revier von anderen Hunden freihalten.

Geht man von obigen Bedingungen aus, die das neue Gesetz gerüchtehalber enthält, wäre dieses Verfahren auch das kostengünstigere.

Vor zwei Jahren wurde das „Tierheim“ von einer italienischen Tierschutzorganisation übernommen, instand gesetzt und ein weitreichendes Sterilisierungsprogramm in Angriff genommen. Zusätzlich Hunde nach Schweden und Italien vermittelt.
Dies alles geschah für die Stadtverwaltung vollkommen kostenlos, da das Programm spendenfinanziert war, sich sogar die örtliche Wirtschaft (sofern es Ausländer waren) daran beteiligt hat. Trotzdem gab es größte Widerstände seitens der Stadt, bis eine Einigung erzielt wurde.

Diese Tierschutzorganisation, sowie eine andere, waren vollkommen entsetzt über die Zustände, die sie vorfanden
und gaben an, daß so etwas in ihrer jahrzehntelangen Tätigkeit in Europa beispiellos war.

Dieses Programm wurde danach auf alle erdenkliche Weise und ohne nachvollziehbare Gründe von der Stadtverwaltung torpediert.

So nahm man sich bspw. die Chinesen zum Beispiel, die unter dem Vorwand der Tollwutbekämpfung vor den Olympischen Spielen die Straßen ihrer Städte durch Massentötungen zu reinigen gedachten
und so konstruierte man in dieser Stadt einen nie bewiesenen Fall, daß im Landkreis ein Kind von einem tollwütigen Hund gebissen worden sei.
Erstens besagt die WHO, daß die Ausrottung von Straßenhunden nicht geeignet sei, das Tollwutrisiko zu verminden, zwotens so hieß es dann von ein paar Journalisten, sei das Kind von einem Fuchs gebissen worden, wobei anscheinend keine Infektion vorlag.
Dieser dubiose Fall wurde weithin propagiert und eine regelrechte Hetzjagd unter Anteilnahme der Bevölkerung auf die Straßenhunde veranstaltet,
wobei auch die von jener Tierschutzorganisation sterilisierten und mit Marken versehenen Tiere nicht verschont wurden.

Vor zwei Monaten gab dann die Tierschutzorganisation bekannt, daß sie ihr Engagement beenden müsste, da die Stadtverwaltung Ihnen den Vertrag über die Nutzungsrechte des Geländes des „Tierheims“ nicht mehr verlängert.

Also Elke, Du wirst es in Rumänien mit einer fast schon diebischen Freude an Grausamkeit zu tun bekommen. Die örtlichen Autoritäten sind keine zuverlässigen Vertragspartner – das hat ja Tradition, wenn Du Dich zurückerinnern magst, als der heutige Präsident Rumäniens zu erkennen gab, daß er kein ernstzunehmender Politiker ist, da er die Grundregel jeder Politik, pacta sunt servanda, gebrochen, als er als damaliger Bürgermeister von Bukarest einen Vertrag über ein Sterilisationsprogramm durch ausländische Organisationen abgeschlossen hatte, nur um ihn wenige Monate später zu Wahlkampfzwecken wieder zu brechen.
Du wirst auf Unverständnis, Argwohn und Verleumdung treffen.
Und das ist praktisch in allen Städten dasselbe. Iasi ist da keine Ausnahme.

So zynisch es klingen mag, vielleicht solltest Du überlegen, ob den Tieren nicht besser geholfen wäre, wenn Du Deine zusätzlichen Mittel und Deine Mühen lieber auch auf Ungarn verwenden würdest . Rumänien ist eben noch derart barbarisch, daß keine guten Ergebnisse zu erwarten sind.

Verschiedenste Organisationen haben es ja in Rumänien die letzten 20 Jahre versucht, die Ergebnisse wurden durch die Böswilligkeit der Leute dort fast immer zunichte gemacht, eine sinnvolle Arbeit und Umgang mit den Verwaltungen konnte eigentlich nie etabliert werden.
Hilfe ist anscheinend einfach nicht gewollt.

Ich würde nur Möglichkeiten sehen, etwas zu ändern, wenn man Wege ginge, die solche Organisationen eben nicht gehen wollen,
weil sie konfrontativ sind.
Dem Problem wird man wohl nur Herr werden, durch Medienarbeit. Roß und Reiter nennen. Dort tut sich nur was, wenn es den Verantwortlichen weh tut, wenn sie sich schämen müssen. Das kostet viel Geld und es ist eine Gratwanderung, oft wurden Missstände nur beseitigt, wenn Kritik aus dem Ausland publik wurde, allerdings besteht dabei auch die Gefahr der Trotzreaktion, jetzt erst recht, unbotmäßige Einmischung…ect.

D.h. vielleicht wäre es am Besten, da an den Patriotismus zu appellieren, denn die ganze Chose ist letztendlich eine einzige große Schande für Rumänien.
(Was manchmal auch hilft, man gibt sich ja neuerdings so unglaublich christlich, besonders die Lokalpolitiker,
da hilfts die Bibel zu zitieren, um denen kurzfristig das Maul zu stopfen).

Die andere Sache wäre schlicht und einfach der Klageweg.
Weswegen ich nach dem neuen Gesetz frage.

Kein Einheimischer würde diesen Weg gehen, da er Nachtteile und Repressalien zu befürchten hätte.
Auch – da darfst Du Dich keiner Illusion hingeben, Rumänien ist kein Rechtsstaat. Die lokalen ausführenden Organe wie Polizei und Staatsanwaltschaft werden in der Regel Abstand nehmen davon, Anzeige gegen die lokale Verwaltung zu erstatten und Richter dort sind in solchen Dingen alles andere als unabhängig.
Doch – und das ist der Vorteil daran, daß Rumänien jetzt EU-Mitglied ist, man kann solche Fälle vor ein EU-Gericht bringen, obwohl es sich um Verletzungen nationalen Rechts ist – allerdings ist die Vorbedingung, daß man alle nationalen Instanzen zuvor durchlaufen hat.
Kurzum, daß dauert ewig und kostet endlos Nerven und Mittel.

Solltest Du trotz alledem Dich engagieren wollen,
empfehle ich Dir Dich vielleicht mit Organisationen in Verbindung zu setzen, die in Rumänien engagiert sind oder waren und Dich nach ihren Erfahrungen zu erkundigen. Z.B.

Vier Pfoten
http://www.vier-pfoten.de/website/output.php

Save the Dogs
http://www.savethedogs.eu/

Mal sehen, die haben irgendwo auch eine dt.Seite, die sind in Rumänien engagiert. Canibucarest z.b.
http://www.sabinemiddelhaufeshundundnatur.net/tierschutz/save%20the%20dogs.htm#cala

Da, man sehe sich das an. Was das für Menschen sein müssen…
http://www.sabinemiddelhaufeshundundnatur.net/tierschutz/save%20the%20dogs.htm#cala

Und Gaia Animali, die Italiener, sind teilweise in Rumänien engagiert.
Finde ich gerade nichts im Netz.

Schließen wir mit dem großen Alexander von Humboldt, der da schreibt:

„Grausamkeit gegen Tiere kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen. Sie ist eines der kennzeichnendsten Laster eines niederen und unedlen Volkes.“

(Und damits keinen einwand gibt der Romanophilen: Romain Rolland sagt genau dasselbe.)

Grüße!
Goldsarmal

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