Phoenix
13.30
Sa.
24. 08.
   Dokumentation
Lebensspuren
"Verrat in Transsylvanien - Die Geschichte des Eginald Schlattner"

PHOENIX/WDR/James Pastouna Eginald Schlattner (68) ist evangelischer Dorfpfarrer im siebenbürgischen Rothberg. Wegen 'Nichtanzeige von Hochverrat' wurde er 1957 verhaftet und in den Gefängnissen des rumänischen Geheimdienstes Securitate gefoltert. Am Tag seiner Verhaftung hatte er in die Kommunistische Partei eintreten wollen, aus Überzeugung, die Siebenbürger Sachsen auf den Weg des Sozialismus führen zu können.

Während seiner zweijährigen U-Haft hat er eine Reihe von Schriftstellern und sogar seinen eigenen Bruder an die Securitate verraten, aus 'freiem Entschluss'. Seitdem ist sein Leben von dem Verrat überschattet. Mit ihm als Zeuge der Anklage im berüchtigten 'deutschen Schriftstellerprozess' in Kronstadt wurden Kommilitonen und Literaten zu insgesamt 95 Jahren Zwangs- und Lagerarbeit verurteilt.

Aus dem Gefängnis entlassen, ächteten ihn Nachbarn und Freunde. Schlattner zog sich zurück, arbeitete als Hilfsarbeiter, suchte ein neues Leben in den Karpaten und entschloss sich 1976, Theologie zu studieren und Pfarrer der Evangelischen Landeskirche der Siebenbürger Sachsen zu werden. Heute kümmert er sich als Gefängnispfarrer um Diebe, Einbrecher und Mörder in rumänischen Gefängnissen, engagiert sich für die sozialen Belange der Romafamilien in seinem Dorf.

Sühne für den den einst begangenen Verrat? Eginald Schlattner hat sich die Schuld auf 600 Seiten von der Seele geschrieben in seinem Roman 'Rote Handschuhe', der zum Bestseller avancierte. Eine Geschichte aus einem vergessenen Winkel Europas über Schuld und Sühne, über einen Mann und seinen eigensinnigen Versuch, sich den Fluch des Verrats von der Seele zu schreiben.

Lebensspuren - Dokumentation Samstag, 24.08.2002
Beginn: 13.30 Uhr Ende: 14.00 Uhr Länge: 30 Min.
VPS: 13.29



WDR
14.45
So.
25. 08.
   Reisereportage
Die Donau
Folge 7/7, "Im ukrainischen Delta"

WDR/BR Drei gewaltige Flussarme bilden das Donaudelta: Der Kilia-Arm ist der nördlichste und der größte. Über 130 km bildet er die Grenze zwischen der Ukraine und Rumänien. Wir folgen ihm am ukrainischen Ufer entlang bis zur Mündung ins Schwarze Meer.

Ismail war bis 1791 eine türkische Festung, dann hat General Suworow sie für den Zaren erobert. Fortan war Ismail russisch, dann rumänisch und nach dem Zweiten Weltkrieg sowjetisch. Jetzt ist Ismail ukrainisch, Heimathafen der ukrainischen, ehemals sowjetischen Donauschifffahrtsgesellschaft.

Hinter Ismail beginnt das eigentliche Delta. Das letzte Städtchen vor der Mündung heißt Vilkovo. Wie Venedig wird es von Kanälen durchzogen und wie in Venedig ist das Boot das Hauptverkehrsmittel. Vor 300 Jahren erst siedelten die Menschen in dieser Wildnis aus Schilf, Sumpf und Wasser. Sie wurden von den Soldaten des Zaren verfolgt, weil sie sich der Glaubensreform des Patriarchen Nicon widersetzten. Bis heute werden sie deshalb die Altgläubigen oder Lipovaner genannt. Diese Menschen lassen uns teilnehmen an ihrem einfachen Leben, an ihren Festen und erzählen uns von ihrem Glauben. Die Lipovaner sind Fischer. Sie und die Naturschützer vom Biosphärenreservat nehmen uns schließlich auf ihren Booten mit hinaus in das Delta, in eine Wildnis aus Seen, Inseln, Lagunen, Schilf und Urwald. Mehr als 300 verschiedene Vögel, darunter Pelikane, und 111 Fischarten sind hier noch zu finden.

Die Donau - Reisereportage Sonntag, 25.08.2002
Beginn: 14.45 Uhr Ende: 15.30 Uhr Länge: 45 Min.